Maria Leitner – eine Verschollene des Exils
Sozialreportagen aus Nazi-Deutschland
Die Bücherverbrennung am 10. Mai 1933 zerstört einen bedeutsamen Teil der deutschen Kultur. Im Zuge der ‚Aktion wider den deutschen Ungeist‘ vernichtet die Deutsche Studentenschaft in fast allen Universitätsstädten Schriften jüdischer, marxistischer, pazifistischer, und sozialdemokratischer Autoren und Wissenschaftler. Aus Anlass des 75. Jahrestages dieses verheerenden Unheils soll an eine vergessene Schriftstellerin und Journalistin erinnert werden, deren Name auf der ‚Liste 1 des schändlichen und unerwünschten Schrifttums‘ steht.
Die Deutsch-Ungarin Maria Leitner (1892-1941?) ist als Jüdin, Kommunistin und Mitglied des Bundes proletarisch-revolutionärer Schriftsteller dreifach gefährdet. Sie flüchtet zunächst über Prag und Wien nach Paris. Dort lebt die Schriftstellerin ab 1934 bis zum Einmarsch der deutschen Truppen im Exil. Unter Lebensgefahr reist sie mehrmals nach Nazi-Deutschland, um zu berichten wie sich das Land zum Krieg rüstet.
Unter anderem ihre Reportagen über die geheimen Kriegsvorbereitungen der IG-Farben und das Sprengstoffwerk in Reinsdorf gelten in den Augen der Gestapo als Hochverrat. 1938 reist Maria Leitner mit einem falschen Pass nach Düsseldorf und lässt sich im ‚Schlageter-Museum‘ das Heinrich-Heine-Zimmer aufschließen, um an den verbotenen Dichter zu erinnern.
Maria Leitners genaues Todesdatum bis heute ungeklärt, ihre letzten Lebensspuren verlieren sich im Frühjahr 1941 in Marseille.
Mit dem Vortrag soll das Leben und Wirken der nahezu unbekannten Autorin vorgestellt werden. Ihre Biographie wird in einem Kurzfilm dokumentiert, es folgt eine Lesung aus ihren „Reportagen über Nazi-Deuschland“.